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Showposen
und ihre Wirkung auf das Erscheinungsbild
von Diana Lüdemann, Artikel von 2003
Angeregt wurde diese Seite von einem englischsprachigen Artikel in "The Afghan Hound
Judges Study Guide" des amerikanischen Afghanenclubs AHCA.
Dieser Aufsatz kann auf
http://clubs.akc.org/ahca
unter "Judges Study Material", Seite 35-40, heruntergeladen werden:
"The Search For Truth in Afghan Hounds" von Constance D. Miller, Erstdruck 1980.
Der zweite Teil dieses Aufsatzes wird als Foto-Kommentierung frei übersetzt wiedergegeben.
Die zwei den englischen Text illustrierenden Demonstrationsfotos eines kurzhaarigen Afghanen werden durch die passendsten nachgestellte Fotos von meiner geschorenen Gene ersetzt.

(Wegen des Copyrights kann ich die zwei Originalfotos nicht übernehmen und versuche hier eher kläglich, sie mit einer meiner Afghanen nachzustellen - leider gelingt es mir nicht, an die Aussagekraft des originalen Kurzhaarafghanen heran zu erreichen.)

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Fotoserie: Diese Spalte zeigt ein und denselben Hund,  meine Afghanen-Hündin Gene,
in verschiedenen Haltungen. Insbesondere die optische Erscheinung ihrer Rückenlinie,
aber auch der Gesamteindruck (Format, Winkelungen u.a.) variiert nach Art des Aufbauens.
Abbildungen von meiner Webseite "Rückenlinien": Die meisten Abbildungen dieser beiden Spalten zeigen die Rückenlinien anderer Afghanen sowie zur Veranschaulichung der anatomischen Grundlagen eine schematische Darstellung des Rückgrats, der Wirbel und Rippen zum direkten Vergleich mit der "aufgebauten" Gene:
16 Beim "Aufbauen" eines Afghanen  im Ring
- dies auch in Deutschland schon gesehene -
steigt in Folge des Kopfhochziehens und des Herausstellens der Hinterhand (wodurch die Rückenhöhe absinkt) der Widerist steiler an.
Der Rücken wirkt kürzer, da der Widerrist in die Halslinie übergeht und den Hals optisch verlängert, der Brustkorb wirkt mächtiger mit betonter (vorgetäuschter) Vorbrust. Diese Rückenlinie ist auf nicht wenigen Fotos zu sehen. Rechts ein Beispiel von meiner Webseite über Rückenlinien (Anklicken für weitere Beispiele und physiolog. Erklärung).
Rückenlninie 3

Wirbel3
19 Dieses Foto zeigt den höchsten Flexibilitäts-
grad meiner Hündin Gene. Hiermit ist die Beweglichkeit ihrer Wirbelsäulenglieder ausgeschöpft. Dass es Afghanen gibt,
deren Rücken noch dehnbarer ist, zeigt
das exemplarische Foto rechts.
Über die Dehnbarkeit/Flexibilität gibt es
einen Artikel auf der Rückenlinienseite.
Rückenlinie 4 Wirbel4
übertriebene Showpose:    (Zitat des erwähnten Artikels)
"Flacher Schafshals, hoher Widerist, hohe und steile Schultern (nahezu senkrecht), Mangel an Brustkorblänge und -tiefe
(die Erstreckung des Brustkastens nach hinten), schwache Lenden und eine unglaublich hohes Sprunggelenk -
alles Merkmale, die der Standard nicht wünscht.
Der tiefste Punkt des Brustkorbes verlagert sich nach vorne zwischen die Ellenbogen und täuscht Geräumigkeit vor,
jedoch demonstriert
der Hund damit einen "Heringsbauch", d.h. die überaus wichtigen hinteren Rippen (für die Ausdehnung
des
Zwerchfells bei der Atmung) ist jämmerlich ungenügend ausgeprägt. Die strapaziöse Pose der Hinterhand zeigt,
was bei langhaarigen Hunden als "Winkelung"gilt, nämlich eine Überdehnung der Muskeln und Gelenke.

Wie diese extremeste, überstreckteste Showpose beim voll behaarten Afghanen aussieht, kann ich leider nicht zeigen. Jedoch reichen einige Fotos meiner Gene halbwegs an die Extrempose heran. Deutlichere Fotos, besonders bei der erwachsenen Hündin in vollem Haarkleid, gibt es leider nicht.
Gene mit einem Jahr und zweieinhalbjährig:
Abgesehen davon, dass beim Einüben dieser Pose von Welpenbeinen an die ständige  Überdehnung der Hinterhand
 nicht gerade förderlich sein kann, wirft diese niemals natürliche Haltung die gesamte Wirbelsäule aus ihrer korrekten
 Ausrichtung und zwingt den Hund mehr auf den Zehenspitzen als auf der ganzen Pfote zu stehen (dem Hund werden
 dieselben Probleme aufgehalst wie sie sich Frauen
zuziehen, die hochhackige Schuhe tragen). Insgesamt bereitet
 auch das weich nachgebende Gewebe der Vorderhand, der Schulterblatt-Widerristverbindung, der Oberlinie, der
 Hüftgelenke und jedes Teils der Hinterhand Sorgen.
Die Oberlinie mit "hohem Widerrist und niedrigem Rücken"
 ist offensichtlich. Wenn der "Widerrist (die Dornfortsätze der vorderen Brustwirbel, siehe auch die Skelettdarstellungen
 unter "Rückenlinien") hochgezogen wird, kippt
automatisch der gesamte Brustkasten nach unten (Richtung Rute)
 und erzeugt den Eindruck eines "niedrigen Rückens". Das Foto von Gene in dieser Pose demonstriert diesen Effekt
 nicht nur im Verlauf der Rückenlinie, sondern auch der Absenkung des tiefsten Punktes des Brustkorbes auf Ellenbogen-
 
höhe (Vorverlagerung des tiefsten Punktes des elliptisch geformten Rippenkorbes zwischen die Ellenbogen).
 Mit dem hohen Widerrist ist noch ein Problem eng verknüpft: Eine kräftige Muskulatur entlang der Wirbelsäule bedeckt
 diese. Kräftige Muskelstränge an den Halsseiten erschweren jedoch eine aufrechte Kopfhaltung (siehe die muskulösen
 Nacken z.B. von Greyhound, Whippet und Barsoi mit ihrer niedrigen Kopfhaltung). Da von den Afghanen (und in
 geringerem Grade von Salukis) verlangt wird, mit erhobener Kopfhaltung das Jagdgelände zu überblicken, wird eine
 etwas ungebundenere (ertastbar dünnere) Halsmuskulatur begünstigt. Leider führt die Selektion zu giraffenartig
 überbeweglichen Hälsen zur Verringerung all der Muskeln, die in der Widerristregion ansetzen. Dies führt zu "losen
 Schultern", die als hervorstehende Beulen (d.h. die Schulterblattspitzen) am Halsansatz tastbar sind.
 Die betonte Schräge des hohen Widerristes, besonders in den Extremen, wie sie manche Afghanen und Salukis
 im Showring zeigen, kann nicht ohne einen gewissen Grad an "Lockerheit" am Muskelansatz erreicht werden.
 Die begleitende Überbeweglichkeit setzt sich
um in einer unnatürlich hohen Kopfhaltung und herausgezogenen
 Hinterhandstellung. Dies schiebt die Vorderbeine in eine steife Position ("steile Front"). Ebenso zwingt es die
 Schulterblattspitzen nach oben und vorne, was das Absinken
und Zurückgleiten des Brustkorbes bewirkt.
 Bezeichnenderweise fällt der Widerrist bei den "extremsten" Hunden in dem Moment in eine nahezu ebene
 Position zurück, wenn sein Kopf freigegeben und ihm erlaubt wird, an loser Leine zu laufen. Der Faktor der
 "losen Schultern" (verglichen mit den stärker bemuskelten Windhunderassen) begann als rassetypisch erwünschtes
 "Blicken in die Ferne", aber durch Übertreibung, Missmanagement und Mißverstehen des Widerrist-
Komplexes
 wurde daraus  eine strukturelle Schwäche." 
(Zitat des erwähnten Artikels)
1 J
Gene 5
08
10 Gene  Gene 2
In der Reihe oben zeigt meine Gene eine natürliche, leicht die Hinterhand unterstellende Haltung, zwei Male aufgebaut mit Unterstützung, rechts im freien, aufmerksamen Stand
als Beweis, dass diese Pose die natürliche Haltung dieses speziellen Hundes immitiert.
Wie oben zu sehen kann Gene genau so auch ganz ohne die Manipulationen eines Handlers stehen. Nebenbei:
Ist es nicht erstaunlich, wie sehr sich mit der Haarlänge der Eindruck über ein und denselben Hund in nahezu derselben Haltung verändert? Je kürzer das Haar, desto salukihafter wirkt sie, je länger desto afghanenhafter.
normale Haltung:    (Zitat des erwähnten Artikels)
"Der Hals verliert seine Schafshals-Flachheit, die Schultern liegen tiefer und
stehen schräger, die Rückenwirbelsäule erscheint nicht länger "tiefer" und
die Lenden sind nun "leicht gewölbt" - wie sie sein sollten.
Das Sprunggelenk ist nicht länger überdehnt und lässt den Hund eher auf
der ganzen Pfote als auf den Zehenspitzen stehen.

Der Hund steht in einer harmonischen Stellung, wenn er einen Vorderlauf zum
Antritt entbehren kann, ohne vorher einen oder beide Hinterläufe nach vorne
setzen zu müssen."
 
Abbildungen rechts:
Zum Vergleich
eine feste Rückenlinie
mit kurzem, bemuskelten, stabilem Rist.
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Rückenlinie2 Wirbel2
Gene zeigt
dieses Typ
Rücken nicht.
Bei diesem Rückentyp ist die Lage des Dips nicht erkennbar. Sind die Hüftbeinhöcker und mindestens ein Wirbel noch erkennbar, ist der Hund nicht zu dick, sondern in der Regel verfügt er über eine kräftig entwickelte Rückenmuskulatur, die die Knochen überdeckt, den Dip fast verschwinden lässt und die gesamte Rückenlinie dadurch relativ kurz und fest mit optisch kurzem Widerrist erscheinen lässt.
 09 Gene Gene 1
Skelett

Genes Rückenlinie im relaxter oder nach vorne gerichteter Haltung, ganz links "aufgebaut" und rechts bei meiner frei stehenden, aber aufmerksam
nach vorne
interessierten Gene, wodurch sich ihre Rückenmuskulatur angespannt.
Das dritte Foto der ganz kurzgeschorenen Gene zeigt ihre
Rückenlinie am besten. Bitte vergleichen Sie dieses Foto mit der schematischen Abbildung ganz rechts (Salukiskelett), welches die
entsprechende Lage des Rückgrats und der Wirbel unter dem Fell veranschaulicht. Gene besitzt exakt eine salukitypische Rückenlinie.

(Das Anklicken der schematischen Abbildung eines Salukiskeletts führt zu weiterführenden Skeletten & Erläuterungen.)
Zum Vergleich der entspannt stehenden Gene links nun
ein Salukiskelett mit durchnummerierten Wirbeln.
Der "Widerist" reicht optisch bis zum Dip, hinter dem
Dip treten drei bis fünf Rückenwirbel erkennbar hervor.
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Die Autorin des Artikels, den ich bis hierher frei übersetzt wiedergegeben habe,
empfiehlt als Veranschaulichung ein praktisches Experimant am eigenen Leib:
Lassen Sie sich auf allen Vieren nieder, dabei die Beine hinten herausziehend und den Kopf
kerzengerade hochstreckend. Verbleiben Sie so lange in dieser Position, bis Beschwerden
einsetzen (was nicht lange dauern wird). Wie Sie bemerken, ruht Ihr ganzes Gewicht auf
Ihren Armen, jedoch Schmerzen bereiten die Nackenbasis und die Rückenmitte.
Dann lassen Sie den Kopf in eine bequeme Position sinken und ziehen Ihre Beine in eine
Position, die Ihr Gewicht mit stützt. Weil die Last neu verteilt wird, nehmen nicht nur die
Lenden und die Beine die Belastung vom Rücken weg, sondern nun kann auch ein Arm
vom Boden gehoben werden, um vorwärts zu krabbeln.
Zugegebenermaßen sind Hunde nicht genau wie Menschen gebaut, aber dieser Test illustriert
auf ehrliche Weise die Anspannung des Wideristbereichs und die "Anticline", die durch den
Entzug der körperstützenden Funktion der Hinterbeine verursacht wird.


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Als Ergänzung die Anatomie und deren verschiedene Typen von Rückenlinien:
mehr über
Rückenlinien

weiter mit
Gene
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